WAZ UND NRZ - 29.09.2009

 

Mein Mann plant einen Mord

 

Ein Kriminalstück mit Leiche, Intrigen und vielen Überraschungen feiert Premiere im Kleinen Theater am Gänsemarkt

 

Wir befinden uns im Haus von Maggie und Glenn Howard in London. Maggies Schwester Helen ist gerade zu Besuch und versucht, die unausgeglichene Maggie psychisch wieder ein wenig aufzubauen. Dabei wird sie von Maggies treusorgendem und charmanten Ehemann Glenn unterstützt. Doch ist dieser wirklich so führsorglich, wie es vorgibt?

 

Im Francis Durbridges Kriminalstück "Plötzlich und unerwartet" ist der Titel Programm. Die Charaktere sind undurchsichtig und die Entwicklung der Handlung unerwartet und spannend. Das Kleine Theater am Gänsemarkt feiert mit einer Inszenierung unter der Regie von Ingo Scheuer nun Premiere. Die Bühne wurde nicht nur renoviert, sondern auch so umgestaltet, dass das Gefühl entsteht, direkt im Wohnzimmer der Howards zu sitzen und an der Handlung teilzunehmen. Dass die Bilder im "Wohnzimmer" von einem freischaffenden Künstler zur Verfügung gestellt wurden, ist optisch ein gelungener Nebeneffekt.

 

Auch das Stück überrascht mit unerwarteten Effekten. Schnell ist klar, dass Glenn gemeinsam mit seiner süchtigen Geliebten Sheila den Mord an seiner Frau plant, um an ihr Vermögen heranzukommen. Geschickt wollen sie dabei den Verdacht auf Maggies Ex-Freund Sam lenken. So gelingt Marc Timme in der Rolle des Glenn der Wechsel in seinem Spiel zwischen besorgtem Ehemann und kaltblütigem Mörder nahezu perfekt. Auch Jennifer Plinke spielt die süchtige Geliebte Sheila überzeugend und vielseitig. Das Opfer Maggie, gespielt von Iris Wendel, wirkt naiv, psychisch labil und hat trotzdem so manches Geheimnis vor ihrem Ehemann. Petra Broszeit überzeugt nicht nur als liebevolle und besorgte Schwester Helen. Schließlich ist sie diejenige, die das Spiel durchschaut und die Ermittlungen der Polizei geschickt vorantreibt.

 

Ein Stück, das auch gegen Ende noch "plötzlich und unerwartet" die eine oder andere Überraschung mehr bietet, als so mancher Krimi im Fernsehen.

 

Von Birthe Dobertin

 

 

Glückauf - Ausgabe Oktober 2009

 

Krimizeit im Kleinen Theater Essen

 

„Plötzlich und unerwartet“ heißt der neueste Coup

 

Das Theaterfieber grassiert endlich wieder am Gänsemarkt 42. Im Norden der Essener Innenstadt hat man schon viele Krimis inszeniert, jetzt, zum Spielzeitstart, wagt sich Hausregisseur Ingo Scheuer an ein spannendes Stück von Francis Durbridge. In den Sommermonaten ist im Kleinen Theater Essen viel passiert. Die renovierte Bühne bietet den Akteuren nun mehr Vielfalt und bei der Eröffnungspremiere der Spielzeit 2009/2010 wird diese bereitsvoll ausgeschöpft.

 

Wir befinden uns in einem Wohnhaus – dem Haus von Maggie und Glen. Maggie ist wohlhabend, Glen eigentlich auch, denn er hat eine Frau und eine Geliebte. Jetzt will er Bares sehen. Wie? Die Frau muss weg. Was sonst im Kleinen Theater hinter der Bühne passiert, lässt

Regisseur Ingo Scheuer in „Plötzlich und unerwartet“ erstmals auf der Bühne passieren: Einen Mord. Und es bleibt nicht bei dem einen – soviel sei verraten.

 

Ebenso kann man aus dem brillanten Ensemble nicht nur einen herausheben. Allen voran präsentieren sich Jennifer Plinke als Geliebte des Mörders und Petra Broszeit als Schwester der Ermordeten von ihrer Bühnen-Schokoladenseite. Auch Iris Wendel, die man leider nur kurz in Aktion erleben darf, kann auf ganzer Linie überzeugen – hier muss man sich fragen: Wer stirbt so schön gefühlvoll wie Wendel auf der Bühne? Ganz skrupellos präsentiert sich Marc Timme, der Glen Howard spielt und dem man den eiskalten Mörder problemlos abnimmt. Völlig wandelbar zeigt sich Lumia Jais, die das Au-Pair Mädchen Ruth mimt und den bei ihren ersten Auftritten gewonnenen Eindruck mit fortlaufender Handlung zunichte macht und den Zuschauer eines Besseren lehrt. Überhaupt gilt an diesem Abend: Nichts ist wie es anfangs scheint. Das schnelle und abwechslungsreiche Spiel ist an vielen Stellen humorvoll, stets aber geheimnisvoll und eine Empfehlung nicht allein für Krimi-Fans. „Plötzlich und unerwartet“ steht für einen kurzweiligen und qualitativ hohen Theaterabend.

 

Von unbekannt