WAZ 08.01.2007

Tanz der fliegenden Teller

Das Kleine Theater bringt Richard Everetts turbulenten Klassiker "Glückliche Umstände" neu heraus

Anderthalb Stunden drücken sich alle um die Wahrheit herum. Jane dichtet ihrer besten Freundin ein Baby an, die flunkert fleißig mit, eine verrückte Nachbarin verplappert sich und der Herr des Hauses wird allmählich wütend. Zu allem Überfluss klingelt immer im unpassenden Moment das Telefon und ständig kommt irgendjemand heulend zur Tür herein.

Wie soll man in diesem Chaos eine ungeplante Schwangerschaft verheimlichen? Mit "Glückliche Umstände", einem Lustspiel von Richard Everett, zeigt das Kleine Theater eine temporeiche, vor Situationskomik nur so sprühende Komödie, die einfach Spaß macht. Ingo Scheuer, der den nichts ahnenden Ehemann Peter spielt, hat das Stück mit feinem Gespür für das richtige Timing inszeniert. Das sitzen die Wort- und Blickwechsel zwischen den, durch die Bank überzeugenden, Darstellern. Und: die Spielfreude ist ihnen anzumerken. Der schwangeren Jane verleiht Daniela Hesse eine geradezu rührende Tollpatschigkeit. Das sie auch anders kann, beweist Jane, als sie in einer spektakulären Szene das teure Familienporzellan quer durch das Wohnzimmer fliegen lässt.

Ingo Scheuer mimt einen wunderbar aufbrausenden Peter, der sich auf seinen neuen Job in Saudi-Arabien freut und den das Theater in seinem Haus ganz schön nervt – bis er auf einmal selber zur Heimlichtuerei gezwungen ist und handzahm wird. Denn wer gibt schon gerne zu, dass sein Beförderung geplatzt ist. Für ordentlichen Pfeffer sorgen in einer Komödie bekanntlich die Nebenrollen, und so lebt auch "Glückliche Umstände" nicht zuletzt von den komischen Auftritten Magdalena Schnitzlers, die mit einem großartigen Minenspiel eine naive, quietschige Polly gibt. Aus der schrillen Nachbarin macht sie eine aufgedrehte, herrliche flennende Nudel, die die Zuschauer einfach lieb haben müssen.

Und dann ist da auch noch der Grieche Grigore (Thomas Vogt), der tief fliegende Teller und lautes Gezeter gleich als Party versteht und sogleich einen schwungvollen Sirtaki aufs Parkett legt. Das Publikum brüllt: Die Stimmung auf der Bühne ist einfach ansteckend. Natürlich geht das turbulente Verwirrspiel um Ehe, Job und Schwangerschaft gut aus.

Von Sonja Mersch