Stadtspiegel Essen vom 24.10.2012

Spannung bis zur letzten Szene - Kleines Theater zeigt Wallace-Klassiker „Das indische Tuch“

„Der Butler ist nicht immer der Mörder“, das stellt Inspector Tanner schon nach der ersten Leiche fest. Von denen wird es im Laufe des unterhaltsamen und spannenden Abends im Kleinen Theater am Gänsemarkt 42 noch mehr geben. Im Schloss der Familie Lebanon geht‘s heiß her. Joan Tilling wirft schon das erste Rätsel des Abends auf: Mit wem hat die Frau des Gärtners eigentlich kein Verhältnis? Als der erste Mord passiert kommt mit Inspector Tanner und Sergant Totty (wird in gewohnt brillanter Manier von Sebastian Rennert gespielt) ein liebenswürdiges Ermittler-Duo ins Haus. Stefan Pfeiffer gibt einen grandiosen Inspector Tanner, der nachdenklich und besonnen das dichte Netz aus Lügen auflöst und die Wahrheit ans Licht bringt. Denn Lady Lebanon, die von der Grande Dame des Hauses, Margareta Waterkamp, verkörpert wird, trägt viele Familiengeheimnisse mit sich herum. Wer sonst sollte diese resolute Rolle besser spielen, als die großartige Margareta Waterkamp? Ihr ebenbürtig zeigt sich Michael Borde, der Lord Willi souverän spielt und dem aufmerksamen Zuschauer einen Blick ins Innerste der Figur ermöglicht. Einfach erstklassig! Alexander Welp, Birgit Landsberger, Benjamin Haase, Sina Meyer, Norbert Lauter und Volker Winter runden das hochklassig besetzte Ensemble ab. Die herausragende Inszenierung von Petra Broszeit ist ein Muss für jeden
Krimi-Fan!

von Mareike Schulz

 

WAZ / NRZ Essen vom 16.10.2012

Adel vernichtet

 

Krimizeit im Kleinen Theater am Gänsemarkt: Mit „Das indische Tuch“ steht in dieser Spielzeit ein Klassiker von Edgar Wallace auf dem Spielplan. Im Mittelpunkt der schaurig-spannenden Handlung: Die reiche Familie Lebanon, bestehend aus Lady Lebanon (Margareta Waterkamp) und Lord Willi Lebanon (Michael Borde), ihrem Sohn. Schnell wird dem Zuschauer klar, dass bei dieser Familie einiges nicht mit rechten Dingen zugeht.

Als eines Tages der Chauffeur Studd (Alexander Welp) tot aufgefunden wird, tritt die Polizei auf den Plan. Umgebracht wurde Studd mit Hilfe eines indischen Tuches, offenbar die einzige Spur zum Täter.

Der einzige Verdächtige mit einem Motiv scheint zunächst der unsympathische Fiesling Dr. Amersham (Norbert Lauter) zu sein. Immer wieder fragt sich der Zuschauer in welcher Beziehung dieser zur Familie steht, da er offensichtlich mehr weiß als der Lady lieb ist. Doch auf die Lösung dieser Frage muss man lange warten, da auch Amersham mit Hilfe eines indischen Tuches umgebracht wird. Plötzlich geraten immer mehr Angestellte in Gefahr. Und was der Gärtner Mr. Tilling (Benjamin Haase) und seine Frau Joan Tilling (Birgit Landsberger) mit dem Mord zu tun haben, bleibt lange ungeklärt.

Zwar gerät die Inszenierung anfangs etwas langatmig und recht unspektakulär, doch bessert sich dies im Laufe deutlich. Dies liegt nicht zuletzt an Norbert Lauters überzeugend gespieltem Fiesling Dr. Amersham. Auch Margareta Waterkamp kann in ihrer Rolle als kaltherzige Lady Lebanon überzeugen.

 

Magazin Trailer - November 2012

 

Wallace wunderbar in Szene gesetzt

Das Kleine Theater Essen bringt "Das indische Tuch" auf die BühneTheater Ruhr 10/12

„Hier spricht Edgar Wallace.“ Vergeblich wartete das Publikum auf diesen allseits bekannten Spruch der populären Roman-Verfilmungen, doch der Spannung und vor allem der Unterhaltung brachte das keinen Abbruch. Das Kleine Theater Essen verführte schon beim Betreten mit gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre und lockerer Unterhaltung. Auf den knapp 40 Sitzplätzen ein gemischtes Publikum, man lacht und hat Spaß zusammen.

Der Anlass ist die Premiere des Kriminalstücks „Das indische Tuch“ von Edgar Wallace aus dem Jahre 1932. Der britische Krimiautor und Verfasser von mehr als 150 Romanen, Drehbüchern, Kurzgeschichten und Theaterstücken ist mit seinen unterhaltsamen Krimis immer noch einer der beliebtesten Autoren des 20. Jahrhunderts. „Das indische Tuch“ wurde 1963 in Berlin verfilmt und unter anderem mit Klaus Kinski besetzt. Der Film wurde damals vollständig im Studio gedreht, weshalb auch im Kleinen Theater Essen ein einziges, liebevoll gestaltetes Bühnenbild völlig ausreicht.

Seit April haben die zwanzig teils ausgebildeten, teils talentierten Laien-Schauspieler (Doppelbesetzung) unter der Leitung von Petra Broszeit geprobt - und das neben der Arbeit. Denn das Theater lebt einzig und allein von seinen ehrenamtlichen Helfern und Mitwirkenden. So verfliegt nach anfänglichen Versprechern die Nervosität und die Schauspieler legen eine souveräne Leistung hin, ganz im Stil von Edgar Wallace. Michael Borde spielt den jungen Lord Willi Lebanon und hat sich den unverwechselbaren irren Edgar Wallace-Gesichtsausdruck perfekt angeeignet. Auch der Schrei im Hintergrund und die Leiche im Schrank fehlen nicht. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der 82-jährigen Margareta Waterkamp, die eine überzeugende Lady Lebanon gibt. Jeder Charakter ist treffend ausgewählt und beschert dem Publikum einen amüsanten Krimiabend in heimischer Atmosphäre.

Lena Schimmelpfennig