WAZ, 3.01.2006

Pointen, Patina und Slapstick

Neil Simons Komödie "Plaza Suite" feiert am Silvesterabend Premiere im Kleinen Theater am Gänsemarkt.

Mit Neil Simons "Plaza Suite" hatte wieder einmal eine klassische Boulevard-Komödie Premiere im Kleinen Theater. Natürlich vor ausverkauftem Haus, denn die Silvester-Premieren haben Tradition am Gänsemarkt – und ihr festes Publikum.

Neben "Barfuß im Park" gehört "Plaza Suite" wohl zu den bekanntesten Stücken des amerikanischen Erfolgsautors und die zahlreichen Inszenierungen und Verfilmungen, u. a. mit Walter Matthau, legen die Messlatte für die Interpreten hoch.

Im Kleinen Theater nähert sich Regisseur Ingo Scheuer dem Drei-Episoden-Stück mit handwerklicher Sorgfalt. Im Mittelpunkt stehen Ehepaare mittleren Alters, die allesamt Abnutzungserscheinungen in ihrer nicht mehr ganz so holden Zweisamkeit spüren. Da entdeckt die Gattin den Seitensprung ihres Mannes am 24. Hochzeitstag, den sie sentimentalerweise in Suite 719, ihrem Hotelzimmer, des New Yorker Plaza Hotels begehen möchte. Da trifft die im Hamsterrad der Ehe befindliche Hausfrau und Mutter ihren Ex-Lover, mittlerweile berühmter Filmproduzent und Millionär, und das Mittelklasse Ehepaar fürchtet, dass die Hochzeit der Tochter am Ende platzen wird, da diese sich im Badezimmer verbarrikadiert hat. Natürlich alles in 719.

Patina hat das Stück, das 1968 uraufgeführt wurde, mittlerweile angesetzt. Die Rollenverteilung ist so klassisch, wie antiquiert. Aber das Stück ist gut gebaut, lebt von Slapstick und spritzigen Dialogen, die Monika Pischner und Lothar Maier federleicht spielen.

Erstaunlich die Wandlungsfähigkeit der beiden Darsteller, die keine Langeweile aufkommen lässt. Sie als selbstbewusste, wohlhabende, leicht gelangweilte Gattin oder lieschenhafte Ex-Freundin und überdrehte Mutter. Maier mal kautzig, mal weltmännisch oder als entnervter Vater. Das Spiel des Duos hält sein Tempo durch und wurde am Premierenabend vom Publikum herzlich gefeiert.

Von Dirk Aschendorf