WAZ / NRZ Essen - 10.01.2017

 

Die Braut, der Frau Sonnenschein misstraut

Das Kleine Theater am Gänsemarkt startet mit einer Komödie von Arthur Lovegrove ins neue Jahr. „Guten Abend, Frau Sonnenschein“ sorgt unter der Regie von Petra Broszeit für reichlich Witz und Verwirrung auf einer Beinahe-Hochzeit.

Eigentlich ist alles geplant – am 2. Weihnachtsfeiertag soll Jacqueline Förster ihren Verlobten Viktor Park heiraten. Viel hängt von der Hochzeit ab. Denn neben den Brautleuten sollen auch die väterlichen Firmen fusionieren. Umso geschockter sind alle Beteiligten, als kurz vor dem großen Tag eine gewisse Frau Sonnenschein im Hause Förster erscheint und behauptet, die Hochzeit würde nicht stattfinden. Sie habe es in einem Traum gesehen. Der Aufruhr ist groß, die Verwirrung umso größer. Als dann der Mann auftaucht, der nach Ansicht von Frau Sonnenschein derjenige ist, in den sich Jacqueline verlieben wird, steht die Gesellschaft endgültig Kopf.

Einen erheblichen Anteil an der Situationskomik des Stückes hat allen voran Monika Pischner als Frau Sonnenschein selbst. So hartnäckig wie sie agiert, wirkt sie fast wie eine gute, wenn auch etwas ulkige Fee. Auch Margareta Waterkamp als Jacquelines Großmutter sorgt mit ihrem trockenen Humor für Lacher. Zeitweilig lebt die Inszenierung vom Gegeneinander der Generationen. Das funktioniert auch deshalb gut, da die älteren Schauspieler wesentlich dominanter und selbstbewusster auftreten als die jüngeren. Dieser Konflikt und seine humorvolle Aufbereitung tragen sich allerdings nicht über die gesamte Länge des Stücks. Da hätten Szenenkürzungen manchmal gutgetan. Ein unterhaltsamer Abend ist „Guten Abend Frau Sonnenschein“ aber allemal.

von Mirjam Ratmann

 

Stadtspiegel Essen - 25.01.2017

 

Leichte Unterhaltung – grandioser Spaß!

Theaterkritik: „Guten Abend, Frau Sonnenschein“ im Kleinen Theater

Wie aufregend: Bei Familie Förster wird eine Hochzeit geplant. Die älteste Tochter heiratet nicht irgendwen, nein, Amor hat ausgerechnet auf den Sohn des wichtigsten Geschäftspartners gezielt und einer Teilhaberschaft des Vaters steht nichts mehr im Wege. Eigentlich nicht, denn in die Planungen platzt Frau Sonnenschein und die bringt keine sonnigen Aussichten mit.

Amelie Sonnenschein hatte einen Traum. Zwar hat „ihr Alter“ von dem Vorhaben abgeraten, die Familie über ihren Traum zu informieren, doch die resolute Frintroperin lässt sich nicht bremsen und zeigt im Laufe der Handlung ein enormes Durchhaltevermögen. Zu dumm nur, dass sie nicht direkt voraussagen kann, was passiert, denn sie erinnert sich nur lückenhaft an ihre nächtlichen Erkenntnisse. Das fördert nicht gerade die Bereitschaft der Försters, ihren Darstellungen Glauben zu schenken. Doch peu à peu kommen die Erinnerungen wieder und Frau Sonnenschein kann immer mehr Szenen, die sich im Hause abspielen werden, voraussagen. Für so manches Familienmitglied wird es ganz schön eng und auf der Bühne richtig turbulent, bis sich die Verwirrungen auflösen und alle Klartext reden.

„Guten Abend, Frau Sonnenschein“ ist leichte Unterhaltung – aber mit Schenkelklopf-Garantie! Und für die besonders komischen Momente sorgt definitiv eine bestens aufgelegte Monika Pischner, die als Frau Sonnenschein Gas gibt und mit witziger Ruhrpott-Kodderschnauze „sacht, watt Sache is“. Auch Margareta Waterkamp, die Edda Förster, Die Großmutter, mimt, sorgt wieder einmal für große Momente. Zum Beispiel dann, wenn sie ganz trocken der aufgewühlten Runde ihre „Nachtschatten“ – natürlich mit ordentlich Umdrehungen – anbietet und viele trockene Kommentare einwirft. Regisseurin Petra Broszeit hat mit der Komödie von Arthur Lovegrove pünktlich zum Jahreswechsel einen Bühnenkracher geliefert (Premiere war schon am Silvesterabend!) und dem Kleinen Theater Essen, Gänsemarkt 42, für dieses Jahr einen Spielplan-Dauerbrenner beschert, denn das auch die leichte Unterhaltung beim Stamm- und Neupublikum ankommt, das haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt.

Zum erstklassigen Ensemble gehören auch Lothar Maier, Daniela Hesse, Eva Burs, Désirée Baier, Hermann Reck, Benjamin Haase, Sebastian Rennert und Lu Chen, die gemeinsam mit den beiden Damen zeigen, dass das Kleine Theater viel mehr als nur „Amateurtheater“ bietet. „Guten Abend, Frau Sonnenschein“ ist nicht nur für Komödienfans eine Empfehlung, sondern für alle, die Lust auf eine kleine Auszeit aus dem Alltag haben. Ein Stück, das man sich getrost sogar ein zweites Mal ansehen kann.

von Mareike Schulz