WAZ / NRZ: 11.01.2011 / Lokales

 

Ein Verführer mit Teddybärchen-Charme

 

Das Theaterstück „Ein schöner Schlawiner“ im Kleinen Theater erzählt die witzige Geschichte eines Frauenhelden und seiner Geliebten

 

Leichte Anzüglichkeiten, etwas Wortwitz, ein wenig Slapstick und vor allem viel Situationskomik: Die französische Komödie „Ein schöner Schlawiner“ von Pierre Chesnot setzt auf bewährte Zutaten. Dem Publikum gefiel dies und goutierte die Vorstellung im Kleinen Theater Essen mit vielen Lachern und lang anhaltendem Beifall.

 

Im Zentrum des Geschehens steht der Lebemann Francois Dumoulin, der es mit der Treue nicht so genau nimmt: Neben Ex-Ehefrau und aktueller Gattin hat er noch eine Geliebte. Diese steht jedoch bald bei Dumoulins Gattin Catherine auf der Matte und gesteht dieser: „Ihr Mann betrügt mich!“ Und so ist es: Da seine Geliebte Barbara wie auch seine beiden Frauen zuvor jegliche Erotik mit ihrem Strickhobby zerstörten, flüchtet Francois nun in die Arme einer Jüngeren und will mit dieser nach Tunesien ziehen. Doch er hat seine Rechnung ohne Catherine, seine Ex Betty und Barbara gemacht: Die drei gehörnten Damen verbünden sich nämlich auf Francois’ Geburtstagsparty und bereiten ihm somit eine ganz besondere Überraschung.


Erfrischend ist die Struktur des Stücks: So fungiert Francois auch als Erzähler, der die imaginäre vierte Wand, die die Bühne vom Publikum trennt, durchbricht und somit augenzwinkernd durchs Geschehen führt. Ingo Scheuer, der auch die Regie zu verantworten hat, verleiht Francois jedoch weniger verführerisch-maskulinen Charme, sondern vielmehr die Ausstrahlung eines knuddelbedürftigen Teddybären, so dass man schon vermutet, dass die vier Frauen, die Francois hinterherlaufen, einen ziemlich starken Mutterinstinkt besitzen.

 

Auf jeden Fall gibt Monika Pischner eine schon großmütterliche Betty, verschroben zwar, aber mit einer sehr liebenswerten Note. Barbara Winters Barbara wirkt dagegen neurotisch überdreht und bringt überzeugend den Nervfaktor rüber, der ihre beiden Mitstreiterinnen des Öfteren die Augen verdrehen lässt. Am überzeugendsten agiert jedoch Ute Wollweber: Sie legt ihre Catherine absolut glaubwürdig an und verleiht ihr eine charismatische Aura, die somit sämtliche Sympathien auf sich zieht – auch wenn sie mit Sticheleien gegenüber ihrem Gatten und ihren Mitstreiterinnen nicht gerade spart. So wird in dem Amateurtheater der durchaus routinierte Abend voller Turbulenzen und Schenkelklopfer noch mit einer beachtlichen schauspielerischen Leistung gekrönt.

 

Von Gordon Strahl

 

 

Stadtspiegel Essen - Samstag, 26.03.2011

 

Traditionell zeigt Das Kleine Theater Essen ab dem Silvesterabend eine neue Inszenierung. „Ein schöner Schlawiner“ heißt das Stück, mit dem man 2011 richtig durchstarten will. Jetzt gibt es endlich auch wieder Karten für den Theaterspaß, in dem Lebemann Francois Dumoulin aus seinem Leben erzählt.

 

Was der französische Autor Pierre Chesnot in seinem Theaterstück vorgibt, setzt Ingo Scheuer als Regisseur famos um. Selbst schlüpft er in die Hauptrolle und agiert souverän und mit viel Charme. Ganz so, wie man es vom „Hausherrn“ des Kleinen Theaters am Gänsemarkt gewohnt ist. Gewohnt ist man auch viel von Barbara Winter, die zum festen Ensemble des Hauses gehört. Und die dreht richtig auf. Sie spielt Barbara, die Geliebte von Francois`, die befürchtet von ihm betrogen zu werden.

 

Und was macht man da? Natürlich! Ab zur Ehefrau. Catherine Dumoulin kann das gar nicht erschüttern. Schließlich war auch sie zunächst die Geliebte von Francois. Für sie ließ er Betty sitzen – aber nicht so ganz. Denn die Ex geht im vornehmen Haushalt weiter aus und ein. Nun sitzen sie also hier. Die Ex-Frau, die derzeitige offizielle „First Lady“ und die betrogene Geliebte.

 

Den drei Damen zuzuschauen ist ein Hochgenoss. Monika Pischner gibt die Verlassene charmant, liebevoll und leicht schrullig. Dabei rutscht ihre Betty aber nie ins Lächerliche ab. Mütterlich und liebevoll gibt sich Ute Wollweber als Catherine. Ein offenes Ohr hat sie für Ihre Vorgängerinnen und auch die überdrehte Barbara weiß sie zu beruhigen. Selbstbewusst und trotzdem nahbar ist die Catherine, die Wollweber zeigt. Und Barbara? Der verleiht Namensvetterin Barbara Winter einen leicht überdrehten Touch, aber in ihrer Verzweiflung ist sie so authentisch, dass man mit der jungen betrogenen Frau Mitleid haben muss.

 

Belogen und Betrogen werden die drei unterschiedlichen Damen vom Hausherrn. Der führt selbst durchs Programm, in dem er die Szenen erstarren lässt, kommentiert und dem Publikum so einen Blick in seine ganz eigene Welt gewährt. Ob`s mit dem Durchbrennen und Dame Nummer vier endlich klappt? Die drei „alten“ Geliebten haben ein Geburtstagsüberraschung für Francois.

 

Von Mareike Schulz