WAZ 21.05.2007

 

Nichts ist, wie es scheint

"Falsche Schlange" im Kleinen Theater

 

Das Kleine Theater am Gänsemarkt geht neue Wege und hat sich erstmals für die Aufführung eines Psycho-Thrillers entschieden. Am Freitag feierte das Stück "Falsche Schlange" von Alan Ayckbourn Premiere, in dem drei Frauen um den besagten Titel streiten. Obwohl sich Annabel Chester (Iris Wendel) nie um ihren kranken Vater gekümmert hat, soll sie nach dessen Tod alles erben.

 

Wie unfair, wo doch ihre kleine Schwester Miriam (Barbara Winter) ihn 15 Jahre lang aufopferungsvoll gepflegt haben soll. Bis sie es - so scheint es - nicht länger aushielt und den alten kurzerhand ins Jenseits beförderte. Dumm nur, dass die Krankenschwester (Birgit Landsberger) davon Wind bekommen hat und die beiden nun erpresst. Es folgt ein Zickenkrieg zwischen allen Beteiligten, bei dem die Chester-Schwestern trotz aller Streitigkeiten, Missverständnissen und dunklen Geheimnissen zusammenhalten müssen, um nicht alles zu verlieren.

 

Hilflosigkeit, Aggressivität und Panik äußern die Darstellerinnen regelmäßig durch markerschütternde Schreie, die insgesamt mehr Gänsehaut auslösen, als der Thriller an sich. Dafür kann das Publikum mitfiebern, wenn sich die Damen durch ihre Machtspielchen gegenseitig fertig machen - schließlich kann es nur eine falsche Schlange geben. Oder?

 

Wer sich gemütlich zurücklehnt und die Eindrücke auf sich wirken lässt, wird tatsächlich vom Autor zu Trugschlüssen verleitet und am Ende mit einer Kehrtwende überrascht. Wer aber nach Detektiv-Art davon ausgeht, dass nichts ist, wie es scheint, dürfte ahnen, wohin das ganze führt.

 

von Bianca Belouanas