WAZ / NRZ Essen - 06.01.2020

 

„Der Muttersohn“: Vergnügliche Verwechslungskomödie

Regisseur Sebastian Grimberg zaubert aus der mäßigen Textvorlage von Florian Battermann einen unterhaltsamen Abend

Für einen „Warmduscher und Badekappenträger“ hält Beate (Nicole Bloch) ihren Mann Martin (Thomas Keller). Doch darüber wäre noch hinwegzusehen – wäre der biedere Oberstudienrat nicht auch noch ein Muttersohn. Dafür bringt Beate herzlich wenig Verständnis auf, hat sie selbst doch mit ihrer Mutter Erika (Iris Kölsch) gebrochen, nachdem diese sich nach dem Tod von Beates Vater nach Mallorca absetzte und dort seither ihren dritten Frühling mit wechselnden Männerbekanntschaften verlebt.

Dem Familienmensch Martin geht der Zwist zwischen Mutter und Tochter gehörig gegen den Strich und er lädt Erika kurzerhand zum Abendessen ein, sehr zum Leidwesen von Beate, deren Nerven bald völlig blank liegen. So kommt es zum Streit, nach dem Martin schließlich beleidigt die Wohnung verlässt. Doch woher soll Beate so schnell einen Mann nehmen, um der angereisten Mutter perfektes Eheglück vorzuspielen? Da könnte ein unschuldiger Staubsaugervertreter gerade recht kommen… Die Silvesterpremiere „Der Muttersohn“ im Kleinen Theater am Gänsemarkt entpuppt sich einmal mehr als vergnügliche Verwechslungskomödie.

Szenenapplaus für Queen-Hommage

Erneut zeichnet Sebastian Grimberg für die Inszenierung verantwortlich und verlässt sich auf das Können seines Ensembles und reichlich Situationskomik, um aus der höchstens mäßigen Textvorlage von Florian Battermann einen unterhaltsamen Abend zu zaubern. Sebastian Rennert als Staubsaugervertreter sticht dabei ganz besonders hervor und beweist ein herausragendes komödiantisches Gespür, ohne dabei unnatürlich zu wirken. Szenenapplaus gibt es sogar für seine Queen-Hommage auf einem klapprigen Keyboard.

Mit vielen kleinen, angenehm subtilen choreografischen Kniffen, wie der mehrfachen Verwechslung von Wasser- und Weingläsern, haucht Grimberg Leben in das Stück. So kann darüber hinweg gesehen werden, dass die Handlung an manchen Stellen deutlich gestrafft werden musste und das Ende plausibler sein könnte. Kurzum: Für einen wohlig-unterhaltsamen Theaterabend am Gänsemarkt ist „Der Muttersohn“ zu empfehlen.

von Marvin Droste

 

Stadtspiegel Essen - 04.01.2020

 

Erstmal zu Mutti

Theaterkritik: Neue Komödie im Kleinen Theater

Wie anstrengend! Mann kommt aus der Schule heim, Frau ist sofort zur Stelle: Räum die Bücher weg, zieh Dich um und suche einen Wein aus - so die kurzen Anweisungen. Das wird Oberstudienrat Martin Schäfer schnell zu bunt. Seine Frau Beate pflegt seit Jahren einen guten Kontakt zu ihrer Mutter, nämlich gar keinen. Das wollte Martin, der immer zur Stelle ist, wenn seine Mutti ruft, ändern, denn: "Familie ist doch wichtig".

Kurzerhand hat er seine Schwiegermutter eingeladen. Doch als ihn Beate als "Warmduscher" und "Muttersöhnchen" beschimpft, wird es ihm zu bunt. Also erstmal weg und ab zu Mutti. Zu dumm, dass Beates Mutter auf der Schwelle steht. Ein Ehemann muss her. Warum nicht ein bisschen Theater spielen? Gedacht - getan und ein turbulentes Spiel kann beginnen, das Regisseur Sebastian Grimberg dem Kleinen Theater Essen, Gänsemarkt 42, exzellent inszeniert hat. Die Komödie "Der Muttersohn" von Florian Battermann lebt vor allem durch die grandiosen Darsteller. Thomas Keller mimt einen Muttersohn, den man nicht nur aufgrund seiner leichten Schusseligkeit ins Herz schließen muss. Resolut und trotzdem nahbar und verletzlich wird die weibliche Hauptrolle von Nicole Bloch gespielt. Eine tolle Leistung, denn Keller und Bloch harmonieren perfekt! Einmal mehr begeistert Iris Kölsch als Schwiegermonster auf der kleinen Bühne. Kratzbürstig und unnahbar gibt sie sich, lässt aber brillant immer wieder das Mutterherz an der richtigen Stelle durchblicken. Einem guten Tropfen abgeneigt sind Staubsaugervertreter Harald Weber und Martins Schwester Jutta nicht und Sebastian Rennert und Julia Heitger sorgen mit ihrem flotten Spiel für viele Lacher. Mit einer umjubelten Premiere am Silvesterabend ist "Der Muttersohn" ins neue Jahr gestartet.

von Mareike Schulz