Südanzeiger Essen, 29.10.2008

Zehn Mörderlein unter einem Herrenhaus-Dach........

feierten Premiere im Kleinen Theater am Gänsemarkt

 

"Trinken Sie nicht so viel, Mr. Rogers" - "Nein, nein, gewiss nicht, Mrs. Rogers", erklingt es auf der Bühne des Kleinen Theaters am Gänsemarkt 42. Christine Maas und Berthold Barth verkörpern hier als nettes Hauspersonal-Pärchen zwei von insgesamt 10 Mördern, die sich auf einer einsamen Insel in einem alten Herrenhaus irgendwo vor der englischen Küste einfinden.

 

Eingeladen werden die Gäste von einem mysteriösen Briefeschreiber. "Ich bin die die Sekretärin der Onyms", lässt Barbara Winter als Vera Claythorne verlauten. Und plötzlich dämmert es bei den Gästen: Geladen hat eine Person mit dem Namen "A. N. Onym". Zugegeben, einen richtigen Schritt weiter ist man hier nicht. Doch Herr "Anonym" hilft seinen Gästen mit vielen Hinweisen und auch Morden auf die Sprünge, denn sie haben alle Leichen im Keller. Im wahrsten Sinn des Wortes! Sie alle tragen die Schuld am Tod eines Menschen mit sich herum und sollen nun für ihre Taten büßen. Natürlich zeigt am Ende der mysteriöse Gastgeber sein wahres Gesicht, doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der mit tödlichen Fallen gespickt ist.

 

Aus dem ohnehin überragenden Ensemble des Hauses sticht einmal mehr Edeltraud Renn heraus, die schon zu Beginn des Jahres mit ihrem Spiel in "Love Letters" begeisterte. Im Kriminalstück "Und dann gab`s keines mehr" von Krimi-Queen Agatha Christie begeistert sie als Emily Brent. Herrlich, wie sie auf ihren Stock gestützt zum nächsten Sessel läuft, dabei zynisch und missgelaunt die jüngeren Gäste mit ihren bissigen Kommentaren erzürnt. Alles andere als zum Schreien - auch wenn sie dies besonders eindrucksvoll auf der kleinen Bühne tut - ist der Darbietung der wunderbaren Barbara Winter.

 

Regisseurin Monika Pischner schenkt dem Spielplan des Kleinen Theaters ein spannendes Kriminalstück, das trotz aller Irrungen und Wirrungen auch seine komischen Momente hat, für die maßgeblich Michael Licher als schwerhöriger General Mackenzie sorgt, der wieder einmal sein komödiantisches Talent voll ausspielt. Eine gelungene Premiere, mit der das kleine Haus in die neue Spielzeit startet.

 

Von Maschu

 

 

 

WAZ Essen, 29.09.2008

 

Zehn kleine Mörderlein . . .

 

Das Kleine Theater am Gänsemarkt setzt seine Krimi-Klassiker-Reihe mit Agatha Christies "Und dann gab's keines mehr" erfolgreich fort

 

Das "Kleine Theater" am Gänsemarkt setzt auch in der neuen Spielzeit seine Krimi-Tradition fort. Nach der erfolgreichen Inszenierung von Agatha Christies' "Mausefalle" steht nun der nächste Klassiker der Krimi-Königin auf dem Programm. Am Freitag feierte dort das Stück "Und dann gab's keines mehr" seine Premiere.

 

Bekannt wurde das Stück von 1939 unter dem Titel "Zehn kleine Negerlein". Doch 2002 wurde es von der Antidiskrimierungsstelle umbenannt.

 

Erzählt wird die Geschichte von zehn Personen mit dunkler Vergangenheit, die von einem ominösen Unbekannten eingeladen werden, ein Wochenende auf einer abgeschiedenen Insel zu verbringen. Sie halten Gericht über sich selbst, bis einer nach dem anderen nicht nur sein Gesicht, sondern auch sein Leben verliert. Sie wissen, der Mörder muss jemand aus der Gruppe sein. Wem können sie noch trauen? Können sie überleben, bis das rettende Boot am Montag die Insel erreicht?

 

Unweigerlich fiebern die Zuschauer mit. Kein Detail möchten sie verpassen. Selber den Mörder entlarven. Regisseurin Monika Pischner gelingt die enorme Leistung, die komplexe Handlung derart zu verdichten, dass die Geschichte auf kleinstem Raum sehr gut funktioniert und die Spannung bis zur Lösung des Rätsels konstant gesteigert wird.

 

Denn im Kleinen Theater ist der Name Programm. Die Garderobe bietet gerade fünf Schauspielern Platz. Schnell wird es gemütlich im Saal. Eine Klimaanlage gibt es in dem 1965 eröffneten Theater ebenso wenig, wie einen Fahrstuhl. Auch für aufwändige Spezialeffekte ist in diesem Haus verständlicherweise kein Platz. Doch die erwartet der Besucher auch gar nicht: Man kommt wegen der familiären Atmosphäre und der Qualität des Schauspiels. Und was der Zuschauer bei "Und dann gab's keines mehr" von den zehn ambitionierten Schauspielern geboten bekommt, ist wahrlich beeindruckend.

 

Fazit: Spannende Unterhaltung zum Mitfiebern für junge und alte Krimi-Freunde.

 

Von Tobias Appelt