Stadtspiegel - 07.05.2014

Alles gelogen!

Kleines Theater liefert spritzige Komödie

 

Was lange währt... Einige Male musste "Lügen über Lügen" von Walther G. Pfaus im Kleinen Theater, Gänsemarkt 42, verschoben werden. Jetzt konnte die Inszenierung von Ingo Scheuer endlich Premiere feiern. Und was für eine!

 

Leo ist nur ein kleiner Ministeriumsbeamter. Seine Frau Dunja lebt auf großem Fuß. Eine reiche Tante in Amerika haben die Beiden wirklich. Und die wird von oben bis unten von Dunja belogen. Und dann? Dann steht sie plötzlich vor der Tür - ein Schauspiel allererster Kajüte beginnt.

 

Ist der Einstieg noch etwas schleppend, nimmt dann, mit fortschreitender Handlung auch das Spiel richtig Fahrt auf. Ganz schön turbulent wird's, denn so einfach ist es nicht, plötzlich vom Ministeriumsbeamten zum Abgeordneten zu mutieren. Wagen, Fahrer und Hauspersonal müssen her. Zum Glück haben Leo und Dunja gute Freunde. Doch Leos Mutter droht das Schauspiel auffliegen zu lassen. Da knallen die Korken, denn ein Heidenspaß beginnt. Ingo Scheuer liefert wieder einmal beste Unterhaltung mit seiner einfallsreichen Inszenierung. Das Ensemble spielt brillant - besonders Gisela Erler, die als ständig angesäuselte Schwiegermutter Erna für viele Lacher sorgt. Auch Frank Tengler begeistert mit grandioser Mimik und perfektem Spiel. Wieder einmal ganz in ihrem Element zeigt sich auch die "Grande Dame" der Bühne, Margareta Waterkamp, die als resolute Tante auch ganz gut flunkern kann.

 

"Lügen über Lügen" ist ein frischer Theaterspaß, der laue Sommerabende versüßen kann.

 

von Mareike Schulz

 

 

WAZ / NRZ Essen - 07.05.2014

 

Wirre Wendungen und alte Gags

"Lügen über Lügen" verspricht die Komödie von Walther G. Pfaus, die das Kleine Theater am Gänsemarkt zur Aufführung gebracht hat. Die Premiere zeigte: Der Autor vergaß gerne mal, dass es bei Lügen auf ihre Glaubwürdigkeit ankommt - und dass es einem gut komponiertem Stück ebenso geht.

Nun gut, das Genre "turbulente Komödie" verlangt ja geradezu nach ungeahnten Wendungen, die für den einen oder anderen Lacher gut sein sollen. Pfaus Story ist auf eben diesen Effekt bestens ausgelegt. Die verschwenderische Dunja ist mit dem sparsamen Beamten Leo verheiratet. Ihrer reichen Erbtante aus Amerika schwindelt sie in Briefen jedoch vor, ihr Gatte sei ein wohlhabender Landtagsabgeordneter und sie schwelgten in Luxus.

Diese Seifenblase droht zu platzen, als diese Tante Rita nach über 25 Jahren einen Besuch ankündigt. Dienstpersonal und ein dicker Mercedes müssen flugs her. Gut, dass ein paar Freunde parat stehen, die helfen wollen, das Lügenmärchen aufzutischen.

Natürlich passiert stets Unvorhergesehenes, so dass Dunja und Leo immer einen drauf setzen müssen. Zum Glück scheint Rita nicht durch ihre Intelligenz an ihr Vermögen gekommen zu sein, denn auch den hanebüchensten Schwindel erkennt sie nicht. Dass das Stück trotz wirrer Wendungen, einigen Logiklöchern, einer müden Schlusspointe und zum Großteil alten Gags beim Premierenpublikum bestens ankommt, ist wohl in erster Linie dem gut aufgelegten Ensemble zu verdanken - allen voran Gisela Erler, die als Leos trinkfeste Mutter Erna beste Volksschauspielerinnen-Qualitäten an den Tag legt, und Margareta Waterkamp, die Tante Rita mit augenzwinkernde Würde zu spielen weiß.

von Gordon K. Strahl