Süd-Anzeiger vom 20.02.2008

 

„Ich will hier raus“

Premiere: „Love Letters“ erzählt von der großen Liebe

 

 

Wer sich die neuste Produktion „Love Letters“ von A. R. Gurney im Kleinen Theater Essen, Gänsemarkt 41, ansieht, wird der Protagonistin Melissa sicher nicht zustimmen: „Ich will hier raus!“ Vielmehr war sich das Premierenpublikum einig, dass dieser wunderbare Theaterabend noch länger hätte dauern dürfen.

 

Die kleine Bühne des Theaters am Gänsemarkt ist in stilvolles Licht getaucht, ein roter Seidenvorhang teilt sie in zwei Bereiche. Auf der einen Seite spielt Edeltraud Renn die Rolle der Künstlerin Melissa, auf der anderen Seite präsentiert sich Volker Winter als Andrew.

 

„Lover Letters“ Erzählt die einzigartige Liebesgeschichte zwischen Melissa und Andy, die sich seit ihrer Kindheit kennen und sich schon seit der Schule Briefe schreiben. Beeindruckend ist die Leistung der beiden Mimen, die ohne große Bühnengänge allein durch ihre Stimme allen Gefühlen Ausdruck verleihen, die in den Briefzeilen von Melisa und Andy zu finden sind. Zusammen finden die beiden nicht. Doch trotz getrennter Wege halten sie über ihre Briefe Kontakt. Die geschriebenen Zeilen erzählen eindrucksvoll die Geschichte eines gemeinsamen Lebens. Dabei ist „Love Letters“ alles andere als eine Lesung. Durch die herausragende Leistung beider Schauspieler wird eine Atmosphäre geschaffen, die es ermöglicht, dem Geschehen auch mit geschlossenen Augen zu folgen. Allein durch die Leseart schaffen es Renn und Winter die in den Briefen beschriebenen Begebenheiten lebendig werden zu lassen.

 

In der Zeit des Erwachsenwerdens versuchen sich Meslissa und Andy an verschiedenen Beziehungen, heiraten später andere Partner, werden Eltern, machen Karriere. Melissa als erfolgreiche Künstlerin, deren Ehe von dem Scheidungsrichter endet, und Andy als Senator, der seine verkorkste Ehe um jeden Preis halten möchte. Über die Jahre hat der Briefkontakt zwischen Melissa und Andy doch Bestand. Mal mehr, mal weniger.

 

Die grandiose Inszenierung von Martina Rudziok verspricht einen unvergesslichen Theaterabend.

 

Von maschu