WAZ - 04.01.2009

 

Sanftes Workout für die Lachmuskeln

 

"Ein Joghurt für 2" im Kleinen Theater

 

Wellness - das neudeutsche Wort, das Wohlbefinden suggerieren will, ist schon längst in aller Munde. Nun erobert es auch die Theaterbühne - zumindest die des Kleinen Theaters am Gänsemarkt. Denn dort feierte ein Wellness-Lustspiel aus der Feder von Stanley Price Premiere. Dabei klingt der Titel "Ein Joghurt für 2" eher wie eine typisch-traditionelle Boulevardkomödie - was auch dem Kern der Sache ziemlich nahe kommt.

 

So ist das Thema Wellness tatsächlich nur ein Tarnthema, das die genreüblichen Verwicklungen und Verwirrungen umrahmt und sich vor allem im Schauplatz widerspiegelt: Dieser stellt nämlich eine Abspeckklinik dar, in der der mollige Immobilien-Mogul Amadeus Fischer (sympathisch: Michael Licher) ein paar Pfunde verlieren will. Die Zitronenwasser-Diät versüßt er sich durch Flirtereien mit Diätberaterin Lucy (charmant: Jennifer Plinke) und Streitereien mit dem nörgelnden Zimmernachbarn Herr Manning (Wolfgang Hantel). Doch plötzlich quartiert sich ein Ausbrecher (Thomas Vogt) bei ihm ein, der Amadeus nicht nur zwingt, ihn in seinem Zimmer zu verstecken - auch das ohnehin spärliche Essen soll er teilen.

 

Verwicklungen mit Gattin, Hauspersonal und der Polizei sind nun programmiert. Auch wenn der Witzgehalt der Komödie eher auf Magermilchstufe eingestellt ist - die flotte Regie von Ingo Scheuer mit dem richtigen Sinn fürs Timing und die durchweg stimmig besetzte Darstellerriege erhöhen den Nährwert beträchtlich. Besonders Gisela Ruhberg als eifersüchtige Ehefrau und Margareta Waterkamp als nervig-freundliche Chefärztin spielen ihr Potenzial voll aus. So dürfen sich die Lachmuskeln über ein angenehm leichtes zweistündiges Workout-Programm freuen, das sie nicht allzu sehr überstrapaziert.

 

Von Gordon K. Strahl

 

 

Stadtspiegel - 10.01.2009

 

Wenn Wellness zum wahren Albtraum wird

Lustspiel feiert Premiere im Kleinen Theater am Gänsemarkt

 

Morgens, mittags, abends Zitronenwasser - mit diesem Trott muss sich Amadeus Fischer , der mollige Immobilien-Mogul seit nunmehr fünf Tagen auseinander setzen. Am sechsten Tag winkt endlich fest Nahrung - doch dann kommt alles ganz anders. Umjubelte Premiere feierte das einmal mehr überzeugende Ensemble des Kleinen Theaters Essen. "Ein Joghurt für zwei", ein Lustspiel von Stanley Price, ist in der Bearbeitung von Hausregisseur Ingo Scheuer ein grandioser Auftakt in das Theaterjahr 2009.

 

In seinem Zimmer im Sanatorium von Frau Dr. Schmalkopf hat Amadeus Fischer sich unter dem Bett, in einem Buch und in anderen Verstecken seine Notrationen Schokoriegel versteckt - anders kann er sich hier bei Turboaerobic, strenger Diät und den ständigen Besuchen seiner attraktiven und vor allem schlanken Ehefrau Esther nicht über Wasser halten. Ein Lichtblick ist nur Schwester Lucy, die ihn bemuttert. Doch plötzlich ist das ruhige Wellnessleben vorbei - Kalle Kaminski, ein entflohener Sträfling, nistet sich in seinem Zimmer ein. Im Gepäck: Sein bester Kumpel, ein Baseballschläger, mit dem Kalle dem armen Amadeus Aerobic auf dem Zimmer bietet. Natürlich taucht Kalle am Abend des sechsten Diättages auf, an dem endlich ein Joghurt auf dem Speiseplan steht. Leider hat auch Kalle einen Bärenhunger und turbulentes Versteckspiel, gespickt mit vielen Nahrungsteilungen, beginnt.

 

Die schauspielerische Höchstleistung, die Ingo Scheuer seinem brillanten Ensemble entlockt, ist unbeschreiblich. Wieder einmal göttlich zeigt sich Michael Licher, der in der Rolle des Amadeus Fischer vor allem durch Gestik und Mimik sein Publikum zu begeistern weiß. Nicht minder ist auch die Leistung von Thomas Vogt, der mit Spaß und vollem Körpereinsatz Kalle Kamiski mimt. Ideal besetzt auch Schwester Lucy, die mit Jennifer Plinke zu einer resoluten Diät- und Turboaerobic-Spezialistin avanciert. Babett Arnold, ist als "Femme Fatal" Esther Fischer bezaubernd und findet nach vielen Jahren der Bühnenabstinenz in diesem Lustspiel zurück in ihr Metier. Abgerundet wird das Ensemble durch Wolfgang Hantel, der Herrn Manning, einen anderen Patienten des Sanatoriums, von Neid zerfressen darstellt. Michael Bussecks Inspektor Kalmus ist schusselig und trotzdem liebenswürdig und brillant ist erneut Margareta Waterkamp, die die Lachmuskeln des Publikums mit einer resoluten und stets gut gelaunten Dr. Schmalkopf strapaziert.

 

Ingo Scheuer gelingt mit "Ein Joghurt für zwei" eine Inszenierung, die für einen kurzweiligen Theaterabend sorgt und mit vielen Irrungen und Wirrungen gute Laune garantiert. Kostüme und Bühnenbild, für die der Regisseur ebenfalls selbst verantwortlich zeichnet, überzeugen ebenso, wie alle Schauspieler.

 

Von maschu