WAZ / NRZ Essen - 27.09.11

 

Die Putzfrau als Primadonna

 

„Im Takt lässtet sich bessa wedeln“, findet Edna Chapman, und als Putzfrau und Lady-Gaga-Fan muss sie es schließlich wissen. Im Kleinen Theater am Gänsemarkt lebt Edward Taylors Komödie „Job-Suey oder kein Dinner für Sünder“ vom prolligen Charme der Zugehfrau, die ihrem Dienstherren aus der Patsche helfen muss. Die begeistert gefeierte Premiere ist sogar eine doppelte: Jennifer Plinke gibt mit der rasanten Komödie ihr Regie-Debüt und beweist dabei nicht nur ein gutes Gespür für Komik sondern auch richtiges Timing.

Skurrile Typen
Darauf kommt es in diesem turbulenten Verwirrspiel auch an, wenn Bankfilialleiter Jim (Thomas Vogt) seinen streng gläubigen Chef und dessen Gattin zum Essen erwartet und ihnen eine Ehefrau präsentieren muss, die er gar nicht hat. Dauerfreundin Helen (Christine Maas) hat keine Lust, „Ehefrau für einen Abend“ zu spielen, und Jims wunderbar hysterische Sekretärin Terrie Pringle (Nadine Mannel) würde wollen, hat aber keine Zeit. Doch die Reinigungsfachkraft ist spontan, tauscht Kittel gegen Glitzerfummel und lässt sich auch von der zuvor in der Küche explodierten Feinkost nicht einschüchtern: „Getz gibbet Eintopf!“

Keine Frage: Edna ist ein Original. Dargestellt von Edeltraud Renn, ist die selbst ernannte „Parkettkosmetikerin“ mit ihrem schnodderigen Ruhrpottdeutsch und der dreckigen Lache herrlich authentisch und erntet fast wie eine Primadonna
schon nach wenigen Minuten Szenenapplaus - es bleibt nicht der einzige.

Richtig Spaß macht auch das Spiel von Gisela Erler als überdrehte Chef-Ehefrau Nancy, die dauernd ihre Kontaktlinsen verliert und jeden Satz mit einem schrillen Kichern beendet. Sie bedient überzeugend jedes Klischee der amerikanischen Managergattin, und ihr Mann Bill (Lothar Meier) erweist sich zum Vergnügen des Publikums als torkelnde Schnapsdrossel.

Fazit: Plinkes Inszenierung und die Spielfreude des bestens aufgelegten Ensembles machen gute Laune. Eine durchweg gelungene Doppel-Premiere.

 

Von Sonja Mersch