WAZ / NRZ Essen - 29.05.2018

 

Von Knastbrüdern zu Klosterburschen

Kleines Theater zeigt Premiere von „Wir kommen alle in den Himmel“

Zwei Knackis, die nach dem geglückten Ausbruch einen Wäschewagen überfallen und sich verkleidet als Nonne und Priester in den Haushalt einer unbescholtenen Familie einschleusen – soweit die recht haarsträubende Ausgangssituation der Komödie „Wir kommen alle in den Himmel“, die Sebastian Gudspeet äußerst vergnüglich im Kleinen Theater auf die Bühne bringt. Einmal mehr kann der junge Regisseur dabei auf ein spielfreudiges Ensemble zurückgreifen.

Dass die beiden Sträflinge, gespielt von Tobias Heller und Benjamin Haase, gleich zu Beginn durch einen Kamin in die Szenerie purzeln, ist ein Vorgeschmack auf den auch sonst recht slapstickhaften Humor des Stücks. Sehenswert ist immer wieder der verbale Schlagabtausch zwischen den Sträflingen, die sich zwar so gar nicht grün, aber auf der Flucht eben doch voneinander abhängig sind. Auch wenn die Logik nicht immer stimmt, so sorgt die Inszenierung durch ihr hohes Tempo für kurzweilige Unterhaltung. Stimmig sind dagegen die liebevoll gezeichneten Charaktere, die in ihrer Eigenart doch immer höchst sympathisch daherkommen. Da wäre die Familie Niehtu, deren Eigenheim den Ausbrechern als provisorisches Versteck dienen soll. Oma Rosalinde (herrlich kratzbürstig: Iris Kölsch) scheucht den Rest der Familie im Kommandoton über die Bühne, während Mutter Corinna (Gabriele Schmidt) und Tochter Claudia (hingebungsvoll: Nicole Bloch) sich das wohl oder übel gefallen lassen. Letztere erträgt als Novizin die Peinigungen durch die Großmutter mit stoischer Naivität. Die Verwirrung ist also vorprogrammiert, als die beiden Sträflinge im Klostergewand auftauchen. Claudia hält die beiden nämlich für Gesandte des Ordens.....

Das Stück mutet stellenweise sketchhaft an und kommt ohne große Handlung aus, wird dem Unterhaltungsanspruch aber bestens gerecht – besonders dank des gut aufgelegten Ensembles.

von Marvin Droste