WAZ und NRZ, 12.01.2010

 

Keine perfekte Liebe im Kleinen Theater

 

Im besten Sinne Volkstheater bietet das kleine Theater am Gänsemarkt: Das Amateurensemble zeigt sich in ihrer neuen Liebeskomödie „Zurück zum Happy End“ ebenso spielfreudig wie publikumsnah.

 

Fließband-Komödienautor Frank Pinkus lieferte die Vorlage zu dem Stück, in dessen Mittelpunkt die angehende Doktorin Bettina und der Beamte Manfred stehen. Die beiden stehen kurz vor ihrer Hochzeit – Grund genug, die Entwicklung ihrer Beziehung noch einmal Revue passieren zu lassen. Als sie dem Publikum die Geschichte ihrer perfekten Liebe erzählen wollen, werden zwei Dinge klar: Erstens sind die Anfänge dieser Liebe gar nicht so perfekt und zweitens unterscheiden sich die Erinnerungen von Bettina und Manfred in äußerst wichtigen Punkten. So spricht er von „Liebe auf den ersten Blick“, während sie sich eher an eine langsame Entwicklung der Gefühle erinnert.

 

Und das Publikum ist schnell geneigt, Bettina zu glauben: Denn so trottelig und unbeholfen, wie sich Manfred praktisch ununterbrochen gibt, fragt man sich, wie Bettina oder überhaupt irgendeine Frau auf der Welt etwas Attraktives an ihm finden kann. Vielleicht ist dies auch eine Schwäche der Vorlage, dass man das Faible, das die intelligente, attraktive Doktorandin für diesen Totalausfall entwickelt, so rein gar nicht nachvollziehen kann.

 

Aber vielleicht hat Bettina ja einen starken Mutterinstinkt: Schließlich hat Manfred auch eine starke Beziehung zu seiner Mama Mathilde, die es nicht sein lassen kann, sich in die Angelegenheiten ihres Sprösslings einzumischen.

 

Regisseur Ingo Scheuer versteht es, die komischen Konflikte des Stoffes herauszuarbeiten. Dabei unterstützt ihn das Ensemble: Dirk Czora-Schröder gibt Manfred konsequent nervig – Jennifer Plinkes robuste Tina hat da ganz klar die Hosen an. Klar sticht jedoch Monika Pischner als Mathilde hervor: Sie schafft es mit ihrer natürlich-charmanten Spielweise, der penetranten Übermutter sogar sympathische Züge so geben.

 

Von Gordon K. Strahl

 

 

SÜDANZEIGER, 13.01.2010

 

ALLE WEGE FÜHREN DOCH ZUM HAPPY END

 

Das Kleine Theater beginnt das Kulturhauptstadtjahr mit einer Komödie

 

"Zurück zum Happy End" wollen in der Komödie von Frank Pinkus Tina und Manfred, die das Publikum in dieser kurzweiligen Produktion im Kleinen Theater Essen hervorragend unterhalten.

 

Manfred ist Beamter und wohnt noch bei Mutti. Das ihm eines Tages, während er wieder einmal Pause beim Joggen macht, Tina vor die Füße fällt. Die lebensfrohe und schlagfertige Doktorandin hat es Manfred sofort angetan - oder doch nicht? Im direkten Gespräch mit dem Publikum erzählen die Beiden, die kurz vor ihrer Hochzeit stehen, in einem lustigen Rückblick jeweils aus ihrer Sicht die schönsten Moment ihrer langjährigen Beziehung - und diese Sicht ist alles andere als gleich. Immer wieder kommt es zum Streit - sehr zur Freude des Publikums. Am Ende kommen dem Pärchen Zweifel, ob man den Schritt zum Traualtar  überhaupt wagen soll und das Happy End scheint in Gefahr. Wie gut, dass es Mathilde, Manfreds Mama, gibt!

 

Regisseur Ingo Scheuer hat dem Kleinen Theater mit seiner liebevollen Inszenierung ein absolutes Spielplan-Highlight für das Kulturhauptstadtjahr geliefert. Und damit nicht genug: Auch bei der Auswahl seiner Mimen beweist Scheuer wieder einmal ein ausgezeichnetes Händchen. Jennifer Plinke hat die Zuschauer mit ihrer liebenswerten und doch resoluten und schlagfertigen Interpretation der Figur Tina sofort auf ihrer Seite. Doch auch Dirk Czora-Schröder erobert in gleichem Maße als schüchternes Muttersöhnchen, steifer Beamter und äußerst liebenswerter Manfred die Herzen des Publikums. Das Wasser reichen kann dem brillanten Duo auch Margareta Waterkamp, die als resolute Mutter Mathilde zwischendurch für Stimmung sorgt und wieder einmal beweist, wie wandelbar und was für eine großartige Schauspielerin sie ist.

 

Von Mareike Schulz