WAZ Essen - 22.03.02

Kleines Theater überzeugt mit Ibsen-Drama

Das Kleine Theater am Gänsemarkt ist bekannt für seine Komödien. Mit Hendrik Ibsens Familiendrama "Gespenster" wagte sich Regisseur Helmut Gahmann jetzt in ein anderes Fach. Mehr davon, möchte man nach der gelungenen Premiere sagen. Ein zunehmend intensiv spielendes Ensemble korrespondiert derart mit der Eskalation der Ereignisse im Hause des Kammerherrn Alving, dass der Zuschauer am Ende zugleich tief bestürzt und hoch erfreut zurück bleibt. Es sind allen voran Michael Borde als Oswald und Michael Hilgers als Schreiner Engstrand, die sich hier als Ausnahme-Talente erweisen. Wie der Handwerker immer erst die Hand am Bauch abwischt, bevor er sie Pastor Manders (wunderbar bigott - Ingo Scherer) reicht - ein Mensch, der sich des Schmutzes, aus dem er kommt, wohl bewusst ist in diesem "feinen" Haus. Ein Entdeckung ist auch Michael Borde. Als Oswald ist er zunächst unbeschwert, sogar aufmüpfig gegen die Moralvorstellungen der Kirche, die in der heutigen Zeit natürlich für kleine Lacher sorgen müssen. Als Oswald ist er aber auch getrieben von der Angst, dem Wahnsinn zu verfallen. Sein Hilferuf "Die Sonne, Mutter! Gib mir die Sonne", bleibt unvergessen. Ein mitreißende Vorstellung von Anbeginn. Bar jeder Schnörkel verstärkt die winzige Bühne die Hoffnungslosigkeit, die eine erschreckend kalte Regine (Miriam Raether) und eine verzweifelte Helene Alving (Margareta Waterkamp) verbreiten.

Annette Hinze