Stadtspiegel Essen - 10.01.2018

 

Irrsinnig guter Jahresstart

Umjubelte Premiere im "Kleinen Theater" am Gänsemarkt

So langsam aber sicher gehen einem die Superlative aus! Die "Komödie für Geister" hat Ingo Scheuer für die traditionelle Silvesterpremiere des Kleinen Theaters Essen, Gänsemarkt 42, konzipiert und landet damit wieder einmal einen Volltreffer. Entstanden ist ein illustrer Theaterspaß, an dem es nichts zu bemängeln gibt. Egal ob Ausstattung oder Besetzung, Scheuer, der übrigens am Silvesterabend sein 35-jähriges Bühnenjubiläum feierte, stellt bei der neuesten Inszenierung wieder einmal unter Beweis, dass er einfach ein Händchen für das rundum gelungene Theaterpaket hat. Dass er kurzerhand - zwei Wochen vor der Premiere (!) - selbst noch die Hauptrolle erlernen musste, ist für den alten Theaterhasen scheinbar auch kein Problem, denn in der Komödie von Noel Coward brilliert er selbst als Charles Condomine, der ein befreundetes Ehepaar und die schrullige Madame Arcati, ein selbsternanntes Medium, einlädt, um eine Séance abzuhalten. Keiner glaubt so recht an die Magie und das Übernatürliche, doch nach diesem Abend ist nichts mehr wie vorher. Nicht nur, dass Charles die Stimme seiner verstorbenen Frau hört - nein, plötzlich sitzt sie auch leibhaftig (oder eher ein wenig grau angehaucht) auf dem Stuhl. Aber nur Charles kann sie sehen! Ein gruselig-guter Theaterspaß kann beginnen. Und bei dem begeistert das Ensemble durchweg. Gisela Erler mimt Ruth Condomine, die Dame des Hauses, Barbara Winter gibt eine grandiose, geisterhafte erste Ehefrau Elvira, die ihren Schabernack mit allen treibt. Norbert Klingen und Nadine Mannel schlüpfen in die Rolle der Gäste und Nadine Mannel, die schon in der Komödie "Zwei wie Bonnie und Clyde" mit Mimik und Gestik überzeugte, setzt fast noch einen drauf. Auch wenn ihre Rolle diesmal eher eine Nebenrolle ist, bleibt sie in Erinnerung, denn Mrs. Bradmann findet einfach alles "irrsinnig" (interessant, unheimlich und, und, und...). Kristin Schröder sorgt als etwas schusseliges Dienstmädchen Edith für einige Lacher und wenn ein Ensemblemitglied ein ganz klein wenig mehr hervor sticht, dann ist es zweifelsohne die zauberhafte Sandra Bienko, die als Madame Arcati nicht nur einmal die Wände wackeln lässt. Grandios sind ihre Blicke, ihr Spiel und vor allem die Mimik, wenn sie das Unerklärbare erfahrbar macht.

von Mareike Schulz

 

WAZ / NRZ Essen - 07.02.2018

 

Vergnüglicher Blick in die Glaskugel

Geisterstunde im Kleinen Theater? am Gänsemarkt: Das älteste Privattheater in Essen hat Noel Cowards „Komödie für Geister“ auf den Spielplan genommen. Im Mittelpunkt steht eine spiritistische Sitzung mit ungewöhnlichen Folgen. Und das Publikum ist beim heiteren Blick in die Glaskugel ganz nahe dran an der Bühne.

In der Inszenierung von Ingo Scheuer wird die Bühne zum Salonzimmer der Eheleute Charles Condomine, die an diesem Abend nicht nur Gäste haben, sondern plötzlich auch noch vom Geist von Charles verstorbener erster Frau Elvira (Barbara Winter) heimgesucht werden. Da nur der Hausherr die Verflossene sehen kann, sind komische Verwicklungen programmiert. Um dem unerwünschten Geisterbesuch ein Ende zu setzen, benötigt Charles die Hilfe von Medium Madame Acarti (Sandra Bienko), die nicht nur mit vermeintlich übersinnlichen Kräften, sondern auch mit beeindruckender Gesichtsakrobatik punkten kann.

Ingo Scheuer und Gisela Erler verkörpern ihre vornehme Rolle als Ehepaar Condomine bestens, ihr Hausmädchen Edith (Kristin Schröder) löst stets Gelächter im Publikum aus. Auch Holger Rennett und Svenja Müller als Gäste der Geisterrunde verkörpern die gegensätzlichen Charaktere gut. So bietet diese humorvolle Séance in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre? eine gelungene Abwechslung zum großen Theater, mit handgemachten Soundeffekten aus dem Barraum.

von karo