WAZ / NRZ Essen - 01.10.2019

 

Der Gärtner rettet sich am Kleinen Theater

„Gärtner sterben stets im Herbst“ heißt die neue Krimikomödie, die durch Wortwitz mit den Klischees spielt

Der Gärtner ist immer der Mörder – oder doch nicht? In „Gärtner sterben stets im Herbst“, der neuen Krimikomödie im Kleinen Theater am Gänsemarkt, nimmt ein äußerst spielfreudiges Ensemble dieses Klischee gehörig auf die Schippe.

Viel Interesse für die Beete, unter denen die Vorgänger verscharrt sind

Im Mittelpunkt stehen die wohlhabenden, aber mehr als verschrobenen Eheleute Timotheus (Stephan Pfeiffer) und Elisabeth (Ute Wollweber), die einen teuflischen „Sozialplan“ entwickelt haben: Statt ihren Gärtner über den Winter weiter zu beschäftigen – man denke nur an den finanziellen Verlust –, bringen die beiden jedes Jahr im Herbst mit Hilfe der mörderischen Großtante Gudrun (Sandra Bienko) die Gärtner unter die eigens dafür angelegten Blumenrabatten und kassieren dann noch die Erbschaft.

Das hat die vergangenen Jahre immer gut funktioniert, doch als sich der neue Gärtner Jonathan vorstellt, wird die Luft dünn für Timotheus und Elisabeth – denn der junge Mann interessiert sich ein bisschen zu sehr für die Beete, unter denen seine Amtsvorgänger fein säuberlich verscharrt liegen. Dass Timotheus vor lauter Nervosität Whiskey trinkt, als sei es Apfelsaft, hilft nicht unbedingt dabei, den „Sozialplan“ zu vertuschen. Und so verstrickt sich das Ehepaar immer mehr in Ausreden, während zunehmend unklar wird, wer genau eigentlich etwas im Schilde führt – stehen bald Timotheus und Elisabeth selbst im Kreuzfeuer?

Ein Händchen für mysteriöse Rollen

Regisseur Ingo Scheuer findet in Rainer V. Larms Textvorlage viel komödiantischen Spielraum für sein Ensemble, den er auf gelungene Weise mehrschichtig auf die Bühne bringt. So ist es mal der Wortwitz, oft aber auch wohldosierte Situationskomik, die für Lacher im Zuschauerraum sorgen. Zwar fehlt dem Stück im Vergleich zu anderen Inszenierungen des Hauses streckenweise das Tempo, dies wird jedoch durch die durchweg überzeugende Ensembleleistung wettgemacht.

Genial ist Sandra Bienko als burschikose Großtante mit Morderfahrung, was durch das Publikum verdientermaßen mit Szenenapplaus quittiert wird. Stephan Pfeiffer als Timotheus kommt herrlich dümmlich daher, als Mann von Welt, der angesichts der mörderischen Pläne seiner Gattin versucht, die Contenance zu wahren. Auch Ute Wollweber als Elisabeth zieht alle Register – ihre Darstellung kann dem Publikum sowohl Lacher als auch Schaudern abringen. Und Alexander Ullmann in der Rolle des Gärtners bewies schon in früheren Produktionen sein Händchen für mysteriöse Rollen. Ob er auch dieses Mal für eine Überraschung sorgen kann, verrät ein Besuch im Kleinen Theater.

Für die Vorstellung am 18. Oktober sind noch Karten erhältlich.

von Marvin Droste

 

Stadtspiegel Essen - 02.10.20198

 

Herbst könnte öfter sein!

"Gärtner sterben stets im Herbst" feierte im KTE umjubelte Premiere

Alt wird beim - zugegeben sehr skurillen - Paar Elisabeth und Timotheus kein Gärtner. Reich auch nicht, gibt's doch gerade einmal 50 Euro pro Woche für die Pflege des riesigen Anwesens, in dem die sechs Blumenrabatten das Hauptaugenmerk der Dame des Hauses sind. Mit dem jungen Jonathan ist schnell ein geeigneter Nachfolger gefunden und schon vor dem Vorstellungsgespräch fachsimpelt das Ehepaar über seinen seit Jahren greifenden "Sozialplan". Durchgefüttert wird über den Winter hier kein Gärtner - entlassen aber auch nicht! Deshalb ist die Zeitrechnung der beiden auch keine gewöhnliche. In welchem Jahr war das gleich? "Vor drei Gärtnern", stellt Elisabeth fest und himmelt die Ex-Angestellten, deren Porträts an der Wand hängen, verträumt an. Jonathan bringt mit seinen Fragen die Welt der beiden gehörig durcheinander und rasch kommt der Herbst und mit ihm Großtante Gudrun. Timotheus geht im Gegensatz zu den Damen, die als teuflisches Duo agieren, ordentlich der Stift.

Doch Tante Gudrun nimmt als "Sozialplan-Fachbeauftragte" das Zepter in die Hand und Elisabeth jammert "jetzt müssen wir wieder 12 Monate warten bis Herbst ist. Der könnte ruhig öfter im Jahr sein", denn erst beim nächsten Gärtner ist sie wieder bei "Mord ist ihr Hobby" dabei. Oder doch nicht? Das spielfreudige vierköpfige Ensemble liefert einen Mordsspaß auf der Bühne: Sandra Bienko (Großtante Gudrun), Alexander Ullmann (Jonathan) und vorneweg die bezaubernde Ute Wollweber (Elisabeth) und der brillant komisch mimende Stephan Pfeiffer (Timotheus) spielen auf höchstem Niveau und harmonieren perfekt.

Die starke Inszenierung von Ingo Scheuer ist ein Muss für alle, die einen tollen, unterhaltsamen Theaterabend erleben möchten. Lachen darf man über das teuflische Trio und seinen Gärtner wieder am Freitag um 20 Uhr sowie am 12. und 18. Oktober in "Das Kleine Theater Essen", Gänsemarkt 42. Karten-Tel.: 0201-52 098 52.

von Mareike Schulz