Stadtspiegel Essen - 02.10.2018

 

Nichts für schwache Nerven

Die Theaterkritik: Kleines Theater startet mit „Gänsehaut“ in die neue Spielzeit

Ein Bauernhaus irgendwo im Nirgendwo. Das soll Jana gut tun – meint ihr Mann Greg. Denn Jana hatte einen Nervenzusammenbruch, wurde erfolgreich behandelt. Jana findet sie gehört unter Menschen und dazu gehöre nicht Gregs Schwester Laura…

Das Haus sei solide, betont Georg Willinger, der Bauer der Greg und Jana das Haus vermietet. Und so solide wie die Unterkunft sind auch Georgs Spukgeschichten. Ein Mord habe hier stattgefunden vor 50 Jahren und immer wenn ein Mörder im Haus wohnt, erscheint wieder ein Blutfleck auch dem Teppich. Und der Geist, der kündigt sich mit Herzklopfen an. Das sind genau die Geschichten, die die schreckhafte und psychisch labile Jana braucht. Wen wundert es, dass schon relativ zeitig das laute Herzklopfen ertönt?

Spannung pur baut Regisseurin Petra Broszeit durchweg auf. Ob mit Tönen oder Licht, dem Titel des Thrillers von Peter Colley, „Gänsehaut“, wird sie mehr als einmal gerecht. Mit ihrer Ensemblewahl beweist sie ebenfalls viel Fingerspitzengefühl. Svenja Müller spielt eine herrlich schreckhafte und vielschichtige Jana. Sebastian Grimberg ihren abgebrühten Ehemann Greg, der in Windeseile vom fürsorglichen Gatten zum feurigen Vulkan mutieren kann und Iris Kölsch, die als sein Schwester Laura bissig und brillant agiert. Komplettiert wird das vierköpfige Ensemble von Hermann Reck, der als Bauer Georg Willinger authentisch spielt. Mit seiner klobigen aber herzlichen Art und viel Witz begeistert er auf der kleinen Bühne, auf der sich immer mehr menschliche Abgründe auftun. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, an dessen Ende ein ganz unerwarteter Ausgang steht.

Spannung pur bis zur letzten Minute! Das belohnte das Premierenpublikum mit donnerndem Applaus. Was bleibt? Beste Unterhaltung und bei manchen eine dicke Gänsehaut. Fazit: Petra Broszeits Inszenierung im Kleinen Theater Essen, Gänsemarkt 42, muss man gesehen haben! (…)

von Mareike Schulz