WAZ 20.12.2004

Verrückt zu sein ist ganz normal

Ist es so unmoralisch, verrückt zu sein? Die Komödie "Eine etwas sonderbare Dame" im Kleinen Theater entführt den Zuschauer in eine Irrenanstalt. Die Bewohner dort scheinen jedoch vernünftiger zu sein als so mancher vor den Toren.

Ethel Savage (Margareta Waterkamp) will nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Vermögen eine Stiftung gründen. Diese soll Menschen dabei helfen, verrückte Wünsche zu erfüllen. Irre, denken ihre Kinder, und das im denkbar negativsten Sinne. Denn sie beanspruchen das Geld für sich. Also verfrachten der spießige Senator (Michael Bussek) und die aufgetakelte Zicke Lilli Belle (Christine Maas) ihre Mutter in die geschlossene Anstalt "Villa Waldfrieden".

Dort schließt die Dame schnell Freundschaft mit den Bewohnern. Als da wären dilletanitsche Violinist Hannibal (Ingo Scheuer), der Fliegerpilot Jeffrey (Jin Soo Hwang), der einen Absturz seelisch nicht verkraftet hat, Fairy May (Barbara Winter), die mit aller Kraft um Aufmerksamkeit buhlt, sowie Miss Paddy (Iris Wendel), die weitestgehend stumm bleibt, es sei denn, sie zählt auf, was sie hasst. Sie alles verbünden sich gegen Ethels Kinder.

Dem Regisseur Ingo Scheuer ist eine charmante Inszenierung gelungen, die von Schrulligkeiten ihrer Protagonisten lebt. Besonders Margareta Waterkamps Grand Dame sticht heraus. Auch die übrigen spielen überzeugend, nur Jin Soo Hwang bleibt als selbstzweifelnder Pilot farblos.

Hin und wieder blitzt die Tragik hinter den schrägen Fassaden der Charaktere auf. Doch die zarte Kritik an die verrückt machende Gesellschaft tritt schnell wieder in den Hintergrund zugunsten boulevardesken Humors. Es bleibt eine nette Komödie, die niemandem weh tut.

Von Gordon K. Strahl