WAZ / NRZ Essen - 29.09.2015

 

Ehekomödie mit kurzweiligem Charme

„Love and Marriage” tönt aus den Lautsprechern des Kleinen Theaters am Gänsemarkt. Der Frank-Sinatra-Song weckt Erinnerungen an die Kultserie „Eine schrecklich nette Familie”. Und auch wenn Regisseurin Jennifer Wendlandt offenbar die Parallele mit dem Anarchohumor des Chaos-Clans um Al Bundy sucht, ihre Inszenierung der Komödie „Candlelight & Liebestöter” ist braver und konventioneller geraten.

Bei der Kostümierung ihrer Hauptdarsteller orientiert sie sich an der Proll-Familie: Helmut Schmitt als Gatte in Trainingshose und T-Shirt und Ute Wollweber zumindest anfangs in Leopardenmuster-Leggins. Doch sind die Figuren in der Komödie aus der Feder von Sabine Misiorny und Tom Müller weitaus herkömmlicher. Statt Antitypen hat das Schreiber-Duo Stereotypen gezeichnet. So rührt der Humor des Stücks von der Wiedergabe von Alltagssituationen, die das Bühnenpaar zum Besten gibt. Da geht es um verschwundene Socken und TV-Fernbedienungen, aber vor allem um das Liebesleben eines langjährigen Ehepaares mit Kind. Die Missverständnisse zwischen Mann und Frau und die Interpretationen ein und derselben Situation sind es, die die Hauptkomik des Stückes ausmachen.

Die Handlung gerät dabei zur Nebensache: Sie möchte mit ihrem Mann einen romantischen Abend verbringen, er will eigentlich lieber Fußball schauen. Beim Schlagabtausch prasseln die Gags reihenweise aufs Publikum ein – häufig auch in Form von Monologen, die dann an Stand-up-Comedians erinnern. Wie bei Mario Barth und Co. lebt der Witz des Stücks weniger von Originalität, sondern viel mehr vom Wiedererkennungswert altbekannter Situationen. Ute Wollweber und Helmut Schmitt würzen ihre Rollen mit viel Sympathie, sodass man den beiden abnimmt, dass sie sich trotz aller Reibereien doch heiß und innig lieben. Und so wird das Darstellerduo mit tosendem Applaus für diese Leistung in dem kurzweiligen Stück gelobt.

von Gordon K. Strahl

 

 

Stadtspiegel - 02.10.2015

Wie im echten Leben!

Lachen, das kann man immer bestens, wenn das Kultautoren-Duo Sabine Misiorny und Tom Müller zur Feder greift. Zum dritten Mal packt „Das Kleine Theater Essen“, Gänsemarkt 42, nun eine ihrer Komödien an. „Candlelight und Liebestöter“ heißt sie und Jennifer Wendlandt liefert damit bravourös ihre zweite Regiearbeit ab. Natürlich kann man wieder lachen – und wie! Denn was „Er“ und „Sie“ da auf der Bühne zeigen, das ist vor allem deshalb so lustig, weil man die Missverständnisse zwischen Mann und Frau eben so gut kennt.

Nein, diesmal ist es kein Ausflug in die Fantasiewelt. Was „Er“ da auf der Bühne zu Fußball und Romantik von sich gibt, haben die weiblichen Besucherinnen schon oft gehört, denn „Er“ im Publikum steht „Er“ auf der Bühne in nichts nach. Doch wie es sich für beste Unterhaltung gehört, kommen da oben auch noch Missverständnisse dazu. „Er“ findet ihre Zeitung und ein schlüpfriges Dessous. Zieht die Schlussfolgerung, dass „Sie“ wohl mal was Neues möchte. Denn: „Sie“ möchte einen romantischen Samstagabend erleben. „Er“ soll Fußball mal Fußball sein lassen. Das „Sie“ aber wirklich nur den Sonnenuntergang genießen möchte, kommt ihm gar nicht in den Sinn, denn Männer und Frauen definieren Romantik eben ganz anders. Ein unfreiwillig urkomischer Striptease bringt sie in eine ganz andere als die gewünschte Stimmung. Typisch Frau eben!

Ute Wollweber und Helmut Schmitt sind die Top-Besetzung für das Zwei-Personen-Stück, harmonieren perfekt und legen eine ungeheure Spielfreude an den Tag. Bitte mehr davon! Nach rund 90 Minuten ist der Spaß vorbei oder doch nicht? Nein, es gibt noch eine kleine Zugabe. Nochmal kräftig lachen, dann ist aber wirklich Schluss. Wer Lust auf einen kurzweiligen und durchweg unterhaltsamen Theaterabend hat, bei dem man sich in der einen oder anderen Szene wiedererkennt, ist im Kleinen Theater genau richtig.

von Mareike Schulz