WAZ / NRZ Essen - 10.01.2019

 

„Alles in Butter“: Brüsseler Pointen-Spitzen am Gänsemarkt

Das Kleine Theater macht aus der britischen Verwechslungskomödie „Alles in Butter“ einen turbulenten Spaß. Die Handlung im Zeichen Europas lässt auch hohe Diplomaten in Union-Jack-Unterhosen dastehen.

2019 ist ein wichtiges Jahr für Europa. Sogar das Kleine Theater am Gänsemarkt schaut nach Brüssel. Und sorgt mit der Komödie „Alles in Butter“ für so viel Slapstick-Spaß, dass kurzfristig sogar ein Zusatztermin eingeschoben wurde. Statt der großen Politik sorgt freilich das Private für Turbulenzen im Diplomatenleben von Sir Clive Partridge (Sebastian Grimberg). Seine Aussichten auf den Präsidenten-Posten der EU-Kommission sind günstig. Der Patriot (mit Union-Jack-Unterhose) hat durch seine moralischen Ansprüche und politische Integrität in Brüssel auf sich aufmerksam gemacht.

Delikate Verwicklungen

Nur gut, dass niemand weiß, dass Partridge eine Geliebte, die feurige Astrid (Babett Arnold) hat. Weder seine Frau, die sich mittelmäßigem Erfolg als Dichterin versucht und ein latentes Alkoholproblem nur halbherzig vertuscht, noch der aktuelle Präsident Berri (Stephan Pfeiffer) dürfen Wind davon bekommen. Äußerst ungünstig also, dass Astrid plötzlich in dem nicht ganz legal angemieteten Pariser Apartment des Diplomaten auftaucht, einen Tag vor der entscheidenden Präsidentschaftswahl. Partridge und sein Mitarbeiter Prout (Benjamin Haase) müssen mit allen Mitteln versuchen, die Katastrophe zu verhindern…

Das vergnügliche Stück des britischen Autors Edward Taylor ist eine klassische Verwechslungskomödie, in der eine klemmende Balkontür ein defekter Wasserboiler die Akteure auf Trab halten. Die Regie hat Monika Pischner übernommen aus dem zugegebenermaßen etwas mit Slapstick überladenen Skript alles herauskitzelt – wofür ihr das passende Personal zur Verfügung steht.

Benjamin Haase brilliert als Assistent des Diplomaten mit komödiantischem Feingefühl und einer Mimik, die für sich allein den Theaterbesuch rechtfertigt. Sehenswert ist auch die Leistung von Sebastian Rennert, als etwas einfältiger, aber pflichtbewusster Laufbursche, der die Verwirrung noch vergrößert. Und Sebastian Grimberg, sonst als Regisseur im Kleinen Theater engagiert, beweist in der Hauptrolle des Sir Clive Partridge, dass er auch auf der Bühne eine gute Figur macht. Die temporeiche Farce lebt aber auch vom Timing der Darsteller – dass da die eine oder andere Pointe untergeht, darf verziehen werden. Am Ende kann das Stück noch mit einer unerwarteten Wendung aufwarten, so dass sich der Schlussapplaus mit schallendem Gelächter vermischt.

von Marvin Droste