Stadtspiegel - 11.01.2014

Ich bin ja nicht blöd!

Kleines Theater Essen startet mit Gag-Feuerwerk ins neue Jahr

 

Ein bisschen dumm ist ja ganz niedlich... Wie wahr, wie wahr! Beinahe schon zuckersüß ist nämlich Chantal, die Protagonistin in „Zwei wie Bonnie & Clyde... denn sie wissen nicht, wo sie sind“. Die neue Erfolgskomödie aus der Feder des Autorenduos Sabine Misiorny und Tom Müller hat Monika Pischner für das Kleine Theater Essen, Gänsemarkt 42, grandios inszeniert.

 

Ein wahres Gag-Feuerwerk zünden Nadine Mannel, die eine absolut liebenswerte Chantal mimt, und Benjamin Haase, der als Manni stets einen kühlen Kopf bewahrt. Im Zwei-Personen-Stück landen Chantal und Manni nach einem Banküberfall in einem verlassenen Schuhlager, das sofort zur Kommandozentrale umfunktioniert wird. Denn ein klitzekleiner Fehler beim Überfall hat fatale Folgen. Und die Hochzeit in Übersee rückt in weite Ferne. Doch unvergessen für die etwas unterbelichtete Chantal sind Mannis Erzählungen von Bonnie & Clyde.

 

Flugs schlüpfen beide in neue Rollen und packen‘s noch mal an. Ob sie so die große Beute machen? Und wird Chantals Traum „Dann heiraten wir in Los Vegas“ wahr? Manni berichtigt sie auch hier unermüdlich: „Las Vegas, Chantal, und Los Angeles!“, erklärt er immer wieder. Ganz so, wie er ihr die einfachsten Dinge immer wieder erläutern muss. Verstanden hat sie’s erst dann, wenn sie die Augen verdreht und sagt: „Ich bin ja nicht blöd!“.

 

Nadine Mannel spielt überragend und begeistert vor allem mit ihrer Mimik. Auch Benjamin Haase überzeugt auf ganzer Linie. Ist Manni als Clyde stellenweise etwas verplant, ist Chantal auch als Bonnie verliebt und trottelig. Bonnie und Clyde haben ihre Überfallserie nicht überlebt. Von Kugeln durchsiebt werden Chantal und Manni am Ende nicht, soviel sei verraten, aber eine dramatische Wendung gibt es doch. Am Ende ist das Glück aber mit den Doofen, denn nicht umsonst heißt es doch, die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln. Chantal, die sich zwischen all den Schuhkartons wie im Paradies fühlt, setzt spontan auf die richtigen Schuhe und kann vor Glück schreien. Aber schreit Manni da mit?

 

Ein Theaterspaß mit vielen überraschenden Wendungen, den Monika Pischner rasant inszeniert hat. Mit dem blendend aufgelegten Schauspielduo, das vor allem mit großartiger Mimik überzeugt, gibt‘s zahlreiche Coups. Doch der größte Überfall bleibt der auf die Lachmuskeln des Publikums. „Zwei wie Bonnie & Clyde ...denn sie wissen nicht, wo sie sind“ ist beste Unterhaltung und Slapstick, rutscht aber nie ins Lächerliche.

 

von Mareike Schulz

 

 

WAZ / NRZ Essen - 21.01.2014

 

Bonnie & Clyde, so komisch wie „Dick Doof“

Bonnie & Clyde: Dieses amerikanische Verbrecherpaar aus den 30er-Jahren steht wie kaum ein anderes für Kühnheit und Gesetzlosigkeit. Nicht wenige verehrten sie als Helden. Dass jedoch längst nicht jeder das Zeug zum „Outlaw“ hat, beweist die neue Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ im Kleinen Theater am Gänsemarkt. Denn für deren Hauptfiguren wäre wohl „Dumm und dümmer“ der passendere Filmtitel.

Kleinganove Manni träumt vom großen Geld, das er in Las Vegas verprassen will. Zusammen mit seiner Freundin Chantal überfällt er – wie ihre großen Vorbilder – eine Bank und begibt sich auf die Flucht. Sie verstecken sich in einer Lagerhalle voller Schuhkartons und lauschen den Nachrichten: Haben sie das Land in Angst und Schrecken versetzt? Doch statt über ihren Überfall zu berichten, geht eine Nachricht über zwei Deppen über den Sender, die beim Überfall nicht mit der Beute, sondern mit den Discounter-Einkäufen einer Kundin flüchten. Nach anfänglichem Spott über die glücklosen Kollegen dämmert es dem Paar: Die Deppen sind sie! Doch Manni will nicht aufgeben und feilt an einem neuen Plan. Dabei hat er jedoch nicht mit Chantals Begriffsstutzigkeit gerechnet.

Wer sich von dem Titel ein spannungsgeladenes Vergnügen versprochen hat, dürfte vom neuesten Streich des Kleinen Theaters enttäuscht sein. Denn nicht die Nerven werden strapaziert, sondern lediglich das Zwerchfell. Dabei haben die Autoren Sabine Misiorny und Tom Müller voll auf die Schadenfreude des Zuschauers gesetzt. Vor allem Lumia Jais als Chantal vermag es, mit ihrer abstrusen Sicht der Dinge die Lachmuskeln der Zuschauer zu beanspruchen und ihren Partner in die Verzweiflung zu treiben. Jais‘ charmantem Spiel ist es zu verdanken, dass ihr Part nicht vollends zur Witzfigur gerät, sondern sogar zur Sympathieträgerin taugt. Michael Bordes Manni pendelt glaubhaft zwischen Eifer, Gier und Resignation, die er mit einem köstlichen Minenspiel anreichert, der der alten Slapstickgarde à la „Dick & Doof“ gerecht wird. Dabei beweist das Duo nicht zuletzt durch die ruhige Hand der Regisseurin Monika Pischner meist ein gutes Gespür für Timing.

von Gordon K. Strahl